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Inetbib-Tagung in Würzburg

Dienstag 24. Juni 2008 von optimisc

In der Hauszeitung der UB Dortmund, der Wiborada, erschien ein Artikel von mir zur vergangenen Inetbib-Tagung in Würzburg. Da die Hauszeitung nicht öffentlich ist, der Artikel aber vielleicht auch für andere interessant ist, hier nochmal.


Wir waren in Würzburg – Die zehnte Inetbibtagung

Die zehnte Inetbib-Tagung fand vom 9.4. bis 11.4. in Würzburg statt. Dies war in mehrerlei Hinsicht ein Rekord:

  • Die südlichste Stadt, in der bisher eine Inetbibtagung stattgefunden hat
  • Die Inetbibtagung mit den meisten Teilnehmern
  • Die Inetbibtagung mit den meisten Ausstellern
  • Die Inetbibtagung mit der größten Ausstellungsfläche

Das Motto der Tagung lautete Inetbib 2.0. Damit war gemeint, dass der Hype um die nächste Generation des Internet, der sich auch schon in Begriffen wie Bibliothek 2.0 niederschlägt, auf den Prüfstand gestellt werden sollte. Wir wollten prüfen, ob Bibliotheken das 2.0 schon leben, ob es überhaupt vereinbar ist mit der “Bibliothek 1.0″, also der traditionellen Vorgehensweise von Bibliotheken.

Was ist eigentlich dieses “2.0″? Es geht dabei vor allem um ein neues Verständnis der Kommunikation im Internet. Sowohl ein paar neue Techniken – oder genauer, eine neue Anwendung alter Techniken – als auch eine soziale Komponente bei der Nutzung des Netzes der Netze prägen “Web 2.0″.

Der Begriff an sich ist gar nicht alt: Geprägt hat ihn Tim o’Reilly (Besitzer des Verlages o’Reilly) in einem Artikel von Ende 2005! Die soziale Komponente ist dabei sehr wesentlich. (Quelle: Wikipedia)

Auf die Bibliothek bezogen bedeutet dies beispielsweise, dass ein Benutzer etwa bei der Katalognutzung nicht einfach sucht und ggf. findet, sondern das Gefundene auch noch selbst bewerten, verschlagworten (= “taggen“) und mit anderen Ergebnissen auf seine eigene Art verknüpfen kann. Wenn diese neuen Informationen dann auch noch anderen Benutzern zur Verfügung stehen, kann man von einer sozialen Komponente sprechen.

Hat denn nun die Tagung mit ihrem Programm eine Antwort auf die Sinnfrage bei “2.0″ gefunden? Die Antwort ist ein klares Jein. Wie erwartet ergab sich ein gemischtes Bild aus traditionellen Diensten und Innovationen. Klar ist geworden, dass die neuen Techniken und sozialen Komponenten ihren Einzug in die Bibliothekslandschaft halten werden und bereits gehalten haben. Klar ist aber auch, dass nicht alles bisherige über Bord geworfen wird. Zu deutlich sind zum Beispiel die Probleme, die uns mit dem Urheberrecht beschert wurden. Zu experimentell ist noch die dritte Dimension im Web (Second Life ist ein überalterter Vertreter dieser Gattung). Zu offensichtlich sind die Probleme bei stärker werdender Popularität einzelner Dienste (beispielsweise Qualitätsüberlegungen bei Wikipedia).

Sehr spannend war für mich zu sehen, wie die “neuen Wilden” der Bibliothekswelt die Tagung aufmischten. Es wurde gebloggt was das Zeug hielt. Allerorten fand man Tagungsteilnehmer über ihrem Notebook gebeugt ein Fazit des soeben gehörten Vortrages ins Netz stellen. Fotos von Vortragenden fanden sich teilweise schon während des Vortrages u. a. bei Flickr.

Auch das Drumherum bei einer Tagung ist wichtig. Nicht nur die kulinarische Versorgung mit leckeren Backwaren, Getränken oder einem sehr guten Mittagessen am Donnerstag klappte reibungslos. Auch die Abendveranstaltung im Keller unter der Residenz war ein voller Erfolg. In dem riesigen Keller fanden sich über 200 Personen bei einer kommentierten Weinprobe inklusive Imbiss zu angeregten Diskussionen.

Diese Erfahrungen konnten ungestört von irgendwelchen Problemchen gemacht werden: Die lokale Organisation war absolut perfekt. Das Würzburger Team hatte den Mut, sich auf eine experimentelle Tagung einzulassen, wurde mit mehr Teilnehmern als erwartet überrascht und hat diese Aufgabe mit einer bewundernswerten Professionalität geschultert.

Aufgrund der Blogbeiträge und der vielen persönlichen Gespräche bin ich überzeugt, dass wir mit dieser Tagung wieder ein bisschen Pionierarbeit geleistet haben. Es wird in Zukunft ein wenig schwieriger sein, eine konventionelle Tagung ohne Unterstützung von Bloggern und ohne Berücksichtigung des Themas Web 2.0 zu veranstalten. Und das ist gut so.

Das Ausrichten und Planen einer solchen Tagung erfordert eine Menge Arbeit, auch auf Dortmunder Seite. Unsere Aufgabe war es, neben dem “Fäden zusammenhalten” die Rednerkontakte aufzubauen und zu pflegen, sowie die Firmen anzuwerben und die Ausstellung zu planen. Trotz des Zeitaufwandes hat Frau Hoepfner und mir die Vorbereitung sehr viel Spaß bereitet. Wir sehen einer nächsten Tagung mit Vorfreude entgegen, auch wenn heute noch nicht einmal der Tagungsort feststeht.

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