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Das Bessere ist des Guten Feind

Donnerstag 6. Mai 2010 von optimisc

Nun habe ich einige Monate Erfahrungen mit dem HTC Touch Diamond 2 (TD2)  gesammelt. Nach der Anschaffung hatte ich auch schon darüber geschrieben. Wie man aber an der Überschrift erkennen kann, ist es dabei nicht geblieben. Einerseits hatte das TD2 inzwischen einen Defekt am Touchscreen. Andererseits aber, und das ist wesentlich entscheidender, hat sich der Mobiltelefonmarkt in den letzten Monaten so rasant verändert wie schon lange nicht mehr.

Das iPhone boomt nach wie vor, der Appstore von Apple hat alles. Naja, alles, was Apple reinlässt, jedenfalls. Ein relativ neuer Mitspieler bei den Betriebssystemen für Mobiltelefone hat einen beachtenswerten Start hingelegt: Googles Android. Windows Mobile hat mit seinem Update von 6.1 auf 6.5 im letzten Jahr für Enttäuschung gesorgt. Immer noch scheint Windows der Meinung zu sein, auch auf einem Mobiltelefon muss Windows aussehen wie Windows. Dass das an vielen Stellen nicht so praktisch ist, ist klar. Windows Mobile 7 ist angekündigt, aber schon jetzt sinkt die Motivation der Programmierer von Programmen für Windows Mobile rapide. Sehr viele wichtige Applikationen, wenn man sich im social web bewegt, sind für das iPhone verfügbar. Fast alle diese Applikationen, und hier ist ein rasanter Anstieg zu beobachten, sind auch für Android zu haben. Wenige bis keine solche Applikationen gibt es für Windows Mobile (bspw Foursquare, für das es nur einen fehlerhaften Fremdclient gibt).

HTC Desire

HTC Desire

Google bringt nun das Nexus One auf den Markt, eines der ersten Androidtelefone, die richtig interessant sind. Das Nexus wird von HTC gebaut, in Europa ist seit kurzer Zeit ein fast baugleiches Gerät unter dem Namen HTC Desire verfügbar. Fast, weil das Desire statt eines mechanischen einen optischen Trackball besitzt und statt der etwas drögen Android-Oberfläche das schicke HTC Sense. Technisch sind beide Geräte höchst interessant vor allem wegen des blitzschnellen Prozessors und des brillianten Displays. Mehr gibt es in einschlägigen Testberichten, Unboxingvideos usw..

Gegen Google spricht die Datensammelwut dieses Konzerns. Ein Androidtelefon ist relativ eng mit Google verknüpft und man kann Google eine Menge über seine Gewohnheiten mitteilen. Der Unterschied zu Apple liegt in dem kleinen Wort “kann”. Wenn man das Googlehandy nicht mit einem Googleaccount verknüpft, bleibt es benutzbar. Sogar kostenlose Apps kann man laden, vielleicht (noch nicht ausprobiert) sogar per Kreditkarte kaufen ohne ein Checkout-Konto bei Google. Sicher ist es dennoch überdenkenswert, sich in die Hände dieses großen Konzerns zu geben. Wie man schon ahnt, habe ich es trotzdem getan.

Nach zwei Tagen mit dem neuen Telefon gibt es schon ein paar Erkenntnisse:

  • Es macht Spaß. Egal, ob man damit eine E-Mail schreibt, twittert oder Webseiten aufruft, das Ding stellt sich einem nicht in den Weg. Der naja-ist-halt-nur-ein-handy-Gedanke stellt sich nicht ein, man erfreut sich stattdessen an der Geschwindigkeit, Bedienbarkeit und am ausgezeichnet ablesbaren AMOLED-Display.
  • Es gibt fast alle wichtigen Applikation auch für Android. Fast, weil mir noch Tweetdeck (ist angekündigt) und Skype als fehlend aufgefallen sind.
  • Eine Displayschutzfolie funktioniert nicht sehr gut auf einem kapazitiven Touchscreen.
  • Ein zweiter Akku muss her (hallo iPhone: Man kann den Akku tauschen ;-) ) Die Akkulaufzeit ist wie bei allen Smartphones nicht berühmt, mit der ganzen Anfangsspielerei ist der Akku nach etwa 5-6 Stunden am Limit. Im normalen Betrieb sollte man aber 2-3 Tage auskommen.
  • Die 16GB sdhc-Karte mit u.a. meiner Musik konnte ich einfach übernehmen.
  • Der USB-Anschluss ist ein Micro-USB. Das passt nicht auf die Mini-USB-Kabel, die ich überall herumfliegen habe. Aber es gibt Adapter.
  • Android ist etwas anderes in der Bedienung, als ein Windows-(Mobile)-Nutzer das gewohnt ist. Programme können in der Mehrzahl nicht beendet werden, sondern werden beim Zurückschalten auf den Homebildschirm “Schlafen gelegt”. Je nach Funktion des Programmes, und im Unterschied zum iPhone-OS bestimmt das das Programm selbst, bleiben aber einige Funktionen erhalten. So schaut das E-Mailprogramm weiter nach E-Mails, wenn man das so einstellt. Der Twitterclient meldet sich auf Wunsch, wenn es etwas neues gibt, usw.. Der große Vorteil dabei ist, dass bei einem erneuten “Start” bzw Aufruf des Programmes an derselben Stelle weitergemacht werden kann, sogar die Position in einem mehrseitigen Text ist dann dieselbe. Ich habe es übrigens mit mehrstündiger Spielerei und Installationsorgie aus dem Market (das ist der AppStore von Android) noch nicht geschafft, das Ding langsamer oder zum Ruckeln zu bekommen.
  • Ein Nachteil: Das eingebaute E-Mailprogramm kommt nicht mit selbst erstellten Serverzertifikaten klar. Macht aber nix, da das kostenlose K9-Mail besser ist und sich ebenfalls voll integrieren lässt.
  • Das Synchronisieren mit dem Kalender der UB (eGroupware) ist immer ein spannendes Thema. Exchange soll kein Problem sein, aber hier ist SyncML gefragt. Glücklicherweise gibt es den sehr guten SyncML-Client von Synthesis auch für Android, und damit läuft das reibungslos.

Soweit, so gut. Ich bin glücklich mit dem neuen Gerät – aber das ist nach erst zwei Tagen kein Wunder. Wenn sich die Euphorie etwas gelegt hat, melde ich mich nochmal dazu. Jedenfalls habe ich den Eindruck, als ob der Kampf um Mobil-Marktanteile für Apple seit dem Erscheinen des Desire schwieriger geworden ist. Das neue OS 4 des iPhone wird daran wenig ändern.

Dieser Beitrag wurde erstellt am Donnerstag 6. Mai 2010 um 15:45 und abgelegt unter Allgemein. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.

3 Kommentare über “Das Bessere ist des Guten Feind”

  1. Florian schrieb:

    Danke für den Bericht. Ich kauf mir auch eins :-)

  2. Flusskiesel schrieb:

    Konkurrenz belebt das Geschäft!
    Ich verfolge (obwohl zufriedener iPhone-Nutzer) Android mit großem Interesse – es ist immerhin Open Source und hat wohl sehr großes Potential.

  3. -stm schrieb:

    Also ich habe mit einer Schutzfolie von Folix gar keine Probleme mit dem kapazitiven Touchscreen.

    Im Gegenteil, da “flutscht” der Finger sogar besser drüber.

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