Neues Handy
Dienstag 8. September 2009 von optimisc
Es war soweit, das alte Taschentelefon musste abgelöst werden. Schließlich will man auch unterwegs online sein, und zwar “richtig” mit relativ großem Bildschirm und UMTS. Nach einigem Lesen sowohl on- als auch offline blieben eigentlich nur noch zwei Modelle übrig: Das iPhone 3GS und das HTC Touch Diamond 2.
Warum nicht so viele andere? Der Grund ist einfach ein Resümee aus allem Gelesenen. Ziemlich klar ist – wenn man das Ding in der Hosentasche spazieren tragen möchte, dass es eine gewisse Größe nicht überschreiten sollte. Damit fallen alle bekannten Tastaturhandys aus, weil sie entweder mit der Tastatur zuviel Bildschirmfläche klauen (z.B. Blackberry) oder mit Klapp-/Schiebtastatur zu dick werden. Für die Entscheidungsfindung ist übrigens die Handygalerie bei heise ein gutes Werkzeug. Hier kann man beliebige Handys direkt nebeneinanderstellen lassen und die Daten vergleichen.
Ein weiterer Aspekt ist, dass in vielen Tests die Touch Screen Bedienung der meisten Handys bemängelt wurde. Problem: Dicker Finger trifft kleine Ziele nicht. Nur beim iPhone klappt die Bedienung intuitiv, weil das System von vornherein darauf ausgelegt ist. Das HTC-Gerät hat hier trotz eigentlich touch-fremdem Windows Mobile 6.1 den Vorteil, dass der resistive Touchscreen auch mit einem im Gerät geparkten (!) Zeigestift, genannt Stylus, komfortabel bedient werden kann. Ausserdem hat HTC für Standardaufgaben eine recht attraktive eigene Oberfläche names TouchFLO 3D, die zur Fingerbedienung geeignet ist.
Blieb also die Entscheidung zwischen HTC Touch Diamond 2 und iPhone. Um es kurz zu machen: Ich habe mich für das HTC-Gerät entschieden. Nach einigen Tagen Spielerei bin ich mit der Entscheidung zufrieden. Die Unterschiede der beiden Geräte im Vergleich (Fakten, die beide Geräte betreffen wie GPS, MP3-Fähigkeit etc. lasse ich außen vor):
Abmessungen:
HTC 108 x 54 x 14 vs iPhone 116 x 63 x 12. Das iPhone ist in allen Abmessungen ausser der Dicke größer. Es erscheint durch die abgeflachten Ränder flacher als es ist und wirkt dadurch wie ein Handschmeichler. Aber es ist größer.
Speicher:
Das HTC hat einen Slot für preisgünstige Micro-SDHC-Karten, zur Zeit bis 16 GB erhältlich. Das iPhone hat bis zu 32 GB eingebauten Speicher, der nicht auswechselbar ist.
Wartbarkeit:
Das HTC hat einen Akku, den man für kleines Geld nachkaufen kann. Bekanntlicherweise altern Lithium-Ionen-Akkus recht schnell, da hilft es, wenn man günstig einen neuen Akku kaufen kann. Beim iPhone: Fehlanzeige. Angeblich soll man bei Apple einen neuen Akku einbauen lassen können. Dann ist aber erst das Telefon einige Zeit und anschließend ein Haufen Geld dauerhaft weg.
Applikationen:
Das HTC lässt sich über einen Standard Micro-USB-Stecker sowohl mit Daten als auch mit Strom beladen. Es präsentiert sich dabei dem PC (egal, mit welchen Betriebssystem) gegenüber als Wechseldatenträger, alternativ kann man seine Daten mit dem Windows-proprietären ActiveSync sichern. Das iPhone hat einen proprietären Anschluss und man benötigt das grausame iTunes, welches einem gleich noch einen Haufen anderen Kram auf den Rechner spült, wenn man nicht aufpasst. Die Synchronisation des Inhaltes des iPhones mit mehreren Rechnern abwechselnd soll schwierig sein.
Das HTC hat ein eingebautes Radio, was ich schätze, aber was kein k.o.-Kriterium wäre. Das gleiche gilt für die höhere Foto- und Displayauflösung des HTC sowie für die Videotelefoniezweitkamera des HTC.
Die Windowslastigkeit des HTC war ein Problem, da ich auf dem PC weder Exchange-Server benutze noch Outlook. Aber nach ein bisschen Fummelei kann ich den Handykalender per SyncML mit dem eGroupware-Kalender synchronisieren und die Kontakte per MyPhone im Webbrowser warten. Das auf dem Telefon installierte Outlook kann IMAP, das ist also auch kein (großes) Problem.
Preis:
Das HTC kostet weniger als die Hälfte im Vergleich zum iPhone ohne Vertrag. Über den iPhone Knebelvertrag der Telekom spreche ich hier nicht – das Blog soll jugendfrei bleiben.
Coolness:
Das iPhone hat allgemein einen wesentlich höheren Coolnessfaktor. Who cares? Hässlich ist das HTC auch nicht.
Meins?
Das iPhone ist unter anderem durch den App Store bekannt geworden. Hier ist die einzige Stelle, an der man Applikationen – also ausführbare Programme – auf das iPhone laden kann. Manche gegen Geld, andere kostenlos. Das Angebot soll umfassend sein, aber mich stört wirklich, dass ich auf eine Quelle beschränkt bin. Von einem ge-jailbreakten iPhone spreche ich hier nicht.
Und dass Apple beliebige Applikationen auf allen iPhones löschen kann, wenn es ihnen gerade in den Kram passt, stinkt mir geradezu. Auch wenn man diesen Artikel liest, drängt sich einem der Verdacht auf, das iPhone sei eigentlich eine Aussenstelle von Apple; ein Satellit der Appleserver. Dazu fallen mit die Begriffe Nabelschnur und Abhängigkeit ein.
Das HTC-Gerät ist mit allen installierten Programmen und Daten meins und es gibt unzählige Quellen im Web mit Software auch, wenn HTC gerade mal die Server abgeschaltet hat.
Dies alles ist natürlich meine eigene Meinung und Wertung von Fakten im September 2009. Ich bin aber gespannt auf eure Meinung in den Kommentaren oder per E-Mail.
Dieser Beitrag wurde erstellt am Dienstag 8. September 2009 um 19:47 und abgelegt unter Allgemein. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.
Mittwoch 9. September 2009 um 08:02
Vielen Dank für diese ausführlichen Informationen und den Vergleich der beiden Geräte, die Du Dir zur Auswahl stelltest. Deine Entscheidung ist absolut nachvollziehbar, auch wenn ich mich mit Details und Anforderungen an die Geräte nicht so gut auskenne.
Allerdings stellt sich mir die Frage, ob das Gerät von HTC die Möglichkeit bietet e-books zu lesen, oder fällt diese Option schon wegen des nicht ausreichend großen Displays von vorneherein aus?
Mittwoch 9. September 2009 um 08:15
Hi Norbert, ich habe das zwar noch nicht ausprobiert, es sollte aber ohne weiteres möglich sein. Das Ding kann pdf, ein epub-Reader wird sich auch finden lassen (z.B. hier http://www.epubbooks.com/ebook-readers) und die Darstellungsqualität ist prima. Aber wie Du schon sagst: Wegen des kleinen Displays möchte man sicher keine Bücher so lesen.
Mittwoch 9. September 2009 um 10:04
Ich habe beide Geräte (bzw. das 3G, das 3GS gab es seinerzeit noch nicht) so Anfang des Jahres verglichen und mich dann für das iPhone entschieden.
Die Flow-Oberfläche war zu der Zeit (es müsste im Januar 09 gewesen sein) das reine Grauen, sonst fand ich das Gerät durchaus schmuck.
Synchronisation usw. funktioniert mit dem iPhone prima, aber ich habe auch einen Mac zu Hause und läuft iTunes problemlos.
Ich habe auch gemerkt, dass ich eine herausklappbare Tastatur eigentlich gar nicht benötige – der Touchscreen des iPhone reicht völlig aus.
Wieviel kostet denn so ein Touch Pro momentan ohne Vertrag?
Mittwoch 9. September 2009 um 10:06
Ist mein Kommentar nicht angekommen?
War eh Quatsch, weil Du ja das Diamond hast und nicht das Touch Pro.
Ich Schussel-ich!
Montag 14. Dezember 2009 um 15:48
Ein sehr schöner heise-Artikel: iPhone-Benutzer leiden unter dem Stockholm-Syndron. Lesenswert im Zusammenhang mit meinem Artikel hier die Liste der Probleme.
Dienstag 15. Dezember 2009 um 09:21
Wer kommt eigentlich dazu, ein Mobiltelefon verteidigen zu wollen? Oder es anzugreifen?
Hat ein iPhone Gefühle?
Ich könnte höchstens meine Entscheidung für dieses spezielle Gerät verteidigen – und das ist nun mal ein Kompromiss, mit dem ich gut leben kann (ich bin sehr zufrieden mit dem iPhone).
Zwar sind ein paar der Mängel längst behoben, aber mich z.B. stören auch:
* Man kann den Akku nicht selbst wechseln – und zwar nicht, um einen Reserve-Akku in der Tasche zu haben, sondern damit man sich mal einen _Ersatz_-Akku kaufen kann, wenn der originale es nicht mehr schafft.
* Die Kamera ist wirklich nicht besonders gut und ich vermisse den Blitz.