Lesezeichen online?
Freitag 1. August 2008 von optimisc
Alle reden von Web 2.0 – ich auch. Aber es muss erlaubt sein, Teile dieses Trends nicht mitzumachen, wenn es Gründe dafür gibt. Ich spreche hier vom Thema “Lesezeichen online”. In vielen Artikeln (dieser sei nur exemplarisch genannt) wird fast gebetsmühlenhaft auf Dienste wie del.icio.us oder Mr Wong hingewiesen. Man sei nur dann wirklich praktisch und 2.0-isch, wenn man seine Lesezeichen auch online verwalte. Hmm.
Ich versuche mal, einen persönlichen Anforderungskatalog für Lesezeichen aufzustellen:
- Lesezeichen müssen schnell zugreifbar sein. Hier meine ich schnelle Anklickbarkeit, wenn ich auf irgendeine bestimmte Seite möchte. Sei es eine Seite, die ich täglich besuche oder sei es eine Seite, die ich nur einmal im Quartal besuche.
- Lesezeichen müssen auf allen PCs zugreifbar sein, die man benutzt. Sowohl von eigenen als auch von PCs anderer, z.B. im Internet Café.
- Lesezeichen müssen hierarchisch angeordnet werden können. Dabei ist es ideal, wenn ein Lesezeichen mehreren Themen zugeordnet werden kann, also zwar einmal in der Sammlung ist aber unter mehreren Stichworten auftaucht.
- Lesezeichen müssen gesichert werden. Wenn der PC abraucht kann nicht alles weg sein.
- Lesezeichen können mit anderen geteilt werden, man kann also alle oder Teile seiner Sammlung anderen zur Verfügung stellen.
Nun gibt es drei grundsätzliche Methoden, Lesezeichen zu verwalten:
- Lokal
- Lokal mit Abgleich auf irgendeinen Dienst, z.B. Foxmarks oder Google Browser Sync. Hier ist Wert darauf zu legen, dass der Abgleich automatisch geschieht, also ohne explizite Aktivierung. So hat man automatisch auf allen seinen PCs denselben Stand.
- In einem Web-2.0-Onlinedienst
Methode 1 fällt bei einer Anzahl von mehr als vier Bookmarks aus. Methode 2 hat ein Problem bei dem Unterpunkt “ist es ideal…” von Anforderung 3. (Ordnung nach mehreren Stichworten) sowie bei Anforderung 5. (Veröffentlichung).
Methode 3 patzt bei Anforderung 1 (Schnelligkeit). Immer wieder dauert es mehr als eine Sekunde, bis die Dienste geladen sind – und dann muss ich erstmal noch zu dem Link kommen, den ich suche. Bei meinen Versuchen mit diesen Onlinediensten habe ich dann immer mehr meiner Lesezeichen doch wieder in der Firefox-Lesezeichen-Symbolleiste abgelegt – und was soll das dann?
Da mein persönlicher Schwerpunkt auf der schnellen Zugreifbarkeit und nicht der Veröffentlichung der Lesezeichen liegt, ist für mich Foxmarks zur Zeit das ideale Tool. Hier kann man auch die Weboberfläche von Foxmarks nutzen, um von einem fremden PC aus mal auf seine Lesezeichen zuzugreifen.
Ach ja: Wo sind eigentlich eure ganzen Bookmarks, wenn del.ico.us und/oder Konsorten mal zu machen?
So, und nun haut mich
Dieser Beitrag wurde erstellt am Freitag 1. August 2008 um 19:20 und abgelegt unter Software. Kommentare zu diesen Eintrag im RSS 2.0 Feed. Sie können einen Kommentar schreiben, oder einen Trackback auf Ihrer Seite einrichten.
Freitag 1. August 2008 um 20:01
Als einer, der examplarisch genannt wird für die Betonung der Vorteiles des Onlineabspeicherns der Lesezeichen, melde ich mich doch mal zu Wort.
Viele Ihrer kritischen Reflexionen zum Thema “Social Bookmarking” sind durchaus berechtigt und die optimale Lösung ist hier wohl noch nicht gefunden worden. Da haben Sie vollkommen Recht. Meine “Gebetsmühle” preist eigentlich immer nur Mr. Wong an, aber das, was ich als Vorteil von Mr. Wong sehe, trifft auch in großen Teilen auf del.icio.us zu: Mich fasziniert daran das Teilen der Bookmarks mit meinen Blogleserinnen und Lesern (durch Abbilden der abgespeicherten Adressen im Blog) und der gegenseitige Informationsaustausch mit dem fachlichen Netzwerk, das ich mir dort aufgebaut habe. Zudem habe ich zu mich interessierenden Schlagwörtern die jeweiligen RSS-Feeds abonniert und werde so kontinuierlich über neu hinzukommende Quellen aus den mich interessierenden Gebieten automatisch informiert.
Gerade aber dieser soziale Aspekt ist sicher nicht jedermanns und -fraus Sache, und wer nur die Erreichbarkeit der Lesezeichen von überall als Motivation für das Onlineabspeichern hat, wird eben die von Ihnen ins Feld geführten Kritikpunkte sehen und die Dienste entsprechend skeptischer beurteilen.
Und zum Thema “Back Up der Daten” (für den Fall, dass diese Services mal unvermittelt schließen): Selbstverständlich bieten diese Dienste auch Im- und Exportfunktionen, die kritische Nutzer auch sicherheitshalber in gewissen Abständen einsetzen sollten. Die Erfahrung mit der lokalen Bookmarkverwaltung auf vielen Rechnern zeigt aber, dass manche eher dort wertvolle Lesezeichen verloren haben, als bei {Gebetsmühle an} del.icio.us oder Mister Wong {Gebetsmühle aus}.
Freitag 1. August 2008 um 21:35
Danke, Markus, für den von mir quasi provozierten Kommentar. Der von Dir beschriebene soziale Aspekt, dass man von neuen Links durch Abos von Schlagworten benachrichtigt wird, fehlt tatsächlich in meiner Sammlung. Diese Informationen hole ich mir (noch) nur durch das Lesen von einschlägigen Blogs.
Vielleicht kommt ja irgendwann die Firefox-Erweiterung zu einem Onlinedienst, die das alles miteinander verheiraten kann? Also ein Mix aus Foxmarks und Mr Wong?
Samstag 2. August 2008 um 01:46
Man unterscheide zwischen Lesezeichen, die zu Referenzzwecken archiviert werden und Lesezeichen, die dem schnellen Aufruf einer Webseite dienen.
Letztere hat man für gewöhnlich in seiner Lesezeichen-Symbolleiste. Diese würde ich immer und ausnahmslos lokal halten. Niemand muss wissen, auf welchen Diensten ich mich überall einlogge bzw. welche Websites ich regelmäßig besuche.
Die Lesezeichen zu Referenzzwecken können ruhig auf Servern liegen (und auch geteilt werden, wenn man draufs steht). Hier ist mein Augen nicht die Geschwindigkeit wichtig, sondern DASS man sie überhaupt findet. Dafür sind Kategorien UND Tags wichtig.
Ich für meinen Teil würde nur einen selber gehosteten Dienst verwenden (auf privat gestellt), einem fremdgehosteten Dienst vertraue ich nicht (einerseits vertraue ich ihm nicht meine Daten an und andererseits möchte ich mich nicht abhängig von ihm machen, denn er könnte offline gehen oder kostenpflichtig werden)
Samstag 2. August 2008 um 20:51
Hallo,
ich kann vermelden, dass meine Praxis ebenso ist: Schnell greifbare Bookmarks vorzugsweise auf der Lesezeichenleiste (bei der man die Lesezeichen übrigens auch in Ordner stecken kann, so hat man noch mehr noch schneller zur Hand), Abgleich zwischen verschiedenen Geräten mit FoxMarks und dennoch eine große, wachsende Delicious-Sammlung für alles Wichtige. Weitere Dienste (furl, bibsonomy) sind für Speicherung mit Archivierung der gebookmarkten Seite oder Spezialthemen in Verwendung. So bleibt man übrigens auch bezüglich der Performanz verschiedener Dienste up to date und hat einen Vergleich ihrer Leistungsfähigkeit, Schwächen und Stärken.
Sonntag 3. August 2008 um 14:07
Genau, in Ordnern und Unterordnern in der Lesezeichenleiste stecken auch bei mir ein paar hundert Lesezeichen. Die Schnelligkeit im Zugriff ist unschlagbar – die Tags fehlen mir aber in der Tat.
Ein positiver Aspekt bei Nutzung der Lesezeichenleiste sind ja auch die Bookmarklets, z.B. das von tinyurl. Das geht nun gar nicht mit den Lesezeichen-Onlinediensten, dennoch möchte ich die Bookmarklets auf meinen PCs abgeglichen haben.
Respekt vor der Disziplin, gleich mehrere Onlinedienste zusätzlich zu nutzen!
Montag 4. August 2008 um 09:38
ich verwende auch die mischung aus “in der lesenzeichenleiste (auch mit ordnern)” und del.icio.us.
Wo sind eigentlich eure ganzen Bookmarks, wenn del.ico.us und/oder Konsorten mal zu machen?
gesynct auf meinem rechner und als html-seite ex- und importierbar.